transcription

Interventionen im öffentlichen Raum.

Projektionen: Start 04/2021

Der urbane Lebensraum und die sozialen Medien sind geprägt von digitaler Werbung. Idealbilder des modernen Menschen erscheinen alterslos und unverletzlich. Der analoge Mensch stellt dieser Suggestivwelt seine Individualität und Unvollkommenheit entgegen. Sein sinnliches Gesicht ist verletzlich und spiegelt die persönliche Geschichte.

Der Mensch lebt und verändert sich dabei. Vergänglichkeit entsteht auf mikrobiologischer Ebene bei der Zellteilung und der dort permanent wiederholten Abschrift (transcription) der DNA. Die unzähligen Kopien des individuellen menschlichen “Bauplans” werden im Laufe der Zeit ungenauer, es entstehen Fehler, der Mensch verändert sich allmählich und altert. Angelehnt an diesen biologischen Prozess versinnbildlicht das Projekt transcription die Vergänglichkeit und Zartheit des Individuums im entpersonalisierten Stadtraum.

Das Kunstprojekt transcription schafft eine Interaktion zwischen Digital und Analog. Dies betrifft die künstlerischen Inhalte der entwickelten Werke und deren Präsentation gleichermassen. Das Projekt transcription visualisiert künstlerisch ein Spannungsfeld zwischen digitalen Bildern und analoger Lebensrealität. Der Wechsel zwischen digitalem und analogem Bild findet auch auf der Ebene der technischen Realisierung des Projekts statt. Analoge künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum werden in digitale Filme verwandelt, die wiederum die Basis für die nachfolgende Intervention bilden, so dass eine fortlaufende Mutation des Filmmaterials entsteht.

In Zentren verschiedener deutscher Großstädte wird ein in Großaufnahme gefilmtes menschliches Gesicht auf Gebäude projiziert. Die Projektionsflächen verändern den Film. Die Projektionen werden gefilmt und in der nächsten Stadt auf eine andere Fassade projiziert. Durch vielfache Wiederholung dieses Prozesses verändert sich das ursprüngliche Motiv des Films und löst sich nach und nach auf. Als Störungen fliessen die Strukturen der Fassaden in das Filmmaterial ein. Das erinnert an den Transkriptiosprozess der menschlichen DNA und visualisiert den Auflösungsprozess des Menschen.

Der Kontrast zwischen dem fragilen menschlichen Gesicht und den rohen urbanen Fassaden im Umfeld perfekter Werbe-Ikonen macht die Fallhöhe des Projekts aus. Durch Abrieb seines Bildes an kalten Fassaden verschwendet sich das individuelle Gesicht am Leben und hinterlässt gleichzeitig Spuren menschlicher Emotionen.